Fabrikmuseum Roth

Das Museum der Leonischen Industrie

Entstehung

Goldgespinste und Silberkordel auf Spulen

Bereits die alten Ägypter und Levantiner verstanden es, Gespinste herzustellen. Dazu wickelten sie fein geschnittene Streifen aus dünnem Goldblech um einen Trägerfaden aus Leinen, Tierdarm oder Leder – ein recht mühseliges Verfahren mit eher groben und zudem wenig haltbaren Ergebnissen. Auch die so erzeugten Mengen waren eher bescheiden.

Am Ausgang des späten Mittelalters (um 1500) erlebten die leonischen Waren ihren ersten großen Aufschwung, als es vor allem italienischen und französischen Manufakturen gelang, die Herstellverfahren ganz entscheidend zu verbessern. Besondere Bedeutung kam dabei der weiter entwickelten Technik des Drahtziehens zu. Den nächsten wesentlichen Fortschritt brachte um 1580 die Entwicklung sog. „Plättmühlen“. Sie walzten den fein gezogenen Golddraht zwischen zwei polierten Stahlwalzen flach. Der so veränderte Draht („Plätt“) erzielte beim Verweben und beim Umspinnen des Trägerfadens eine deutlich bessere Wirkung als runder Draht.

Wegen des rapide steigenden Bedarfes ging man zunehmend vom teuren Golddraht zum vergoldeten Silberdraht über. Später ersetzte man den Silberdraht durch einen Kupferdraht, der versilbert und dann zusätzlich vergoldet wurde. Noch billiger wurden die Produkte, als man schließlich ganz auf Silber und Gold verzichtete und dem Kupferdraht durch eine Messingoberfläche ein goldähnliches Aussehen gab (sog. „Cement-Draht“).

Damit waren die wesentlichen Techniken des leonischen Gewerbes entwickelt – das Drahtziehen, das Versilbern und Vergolden, das Plätten und die Gespinstherstellung. Ihre weitere Verfeinerung und der Übergang zur Massenproduktion eröffneten den ehemals teuren Gold- und Silberfäden eine große Verbreitung in der Volkskunst, der Mode und den Uniformen. Zusätzlich verstärkt wurde dieser Aufschwung durch die ständige Weiterentwicklung der Webtechnik, mit Hilfe derer die feinen Gespinste in großem Stil weiterverarbeitet werden konnten.

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